Fast jeder ernsthafte Workflow kommt an eine Gabelung: Neue Leads sollen je nach Region an ein anderes Vertriebspostfach, Rechnungen unter einem Schwellenwert laufen automatisch durch, alle darüber gehen zur Freigabe, und offensichtlicher Spam soll gar nicht erst weiterverarbeitet werden. n8n bietet dafür drei Knoten an, die auf den ersten Blick dasselbe zu tun scheinen: IF, Switch und Filter. Wer den falschen greift, verliert entweder still Datensätze oder baut sich einen unnötig komplizierten Ablauf. Dieser Artikel ordnet die drei nach der Frage, die Sie eigentlich stellen – für Geschäftsführer, die verstehen wollen, warum ihr Workflow Dinge auf den falschen Pfad schickt, und für alle, die selbst automatisieren.
Eine Frage entscheidet: zwei Wege, viele Wege oder aussortieren?
Bevor Sie einen Knoten anklicken, beantworten Sie einen einzigen Satz: Was soll mit den Daten passieren, die eine Bedingung nicht erfüllen? Daraus fällt die Wahl fast von allein:
- Zwei Wege behandeln – erfüllt oder nicht, und beide Seiten laufen weiter: der IF-Node.
- Auf viele Wege verteilen – ein Pfad je Kategorie: der Switch-Node.
- Aussortieren – was nicht passt, fliegt raus: der Filter-Node.
Drei Knoten, eine Frage: Der IF-Node teilt einen Workflow in genau zwei Wege – Bedingung erfüllt oder nicht, und beide Seiten laufen weiter. Der Switch-Node verteilt auf beliebig viele Pfade, einen pro Kategorie. Der Filter-Node verzweigt gar nicht, sondern sortiert aus: Was die Bedingung nicht erfüllt, wirft er weg. Wer das vorab entscheidet, baut den Rest fast von selbst.
Der IF-Node: die Ja-Nein-Weiche
Die n8n-Dokumentation beschreibt den IF-Node knapp: Er teilt einen Workflow anhand von Vergleichsoperationen auf. Er hat genau zwei Ausgänge – true und false. Jeder Datensatz, der die Bedingung erfüllt, verlässt den Knoten oben (true), alle anderen unten (false). Entscheidend: Beide Ausgänge lassen sich weiterbauen. Nichts geht verloren, Sie behandeln nur beide Fälle getrennt.
Ein Beispiel: Rechnungen mit einem Betrag über 1.000 sollen zur menschlichen Freigabe, alles darunter läuft automatisch durch. Sie wählen im IF-Node den Datentyp Number, den Operator is greater than und den Wert 1000. Der true-Ausgang führt in den Freigabe-Zweig, der false-Ausgang direkt in die Verbuchung.
Mehrere Bedingungen lassen sich kombinieren. Über den Schalter zwischen den Bedingungen wählen Sie AND („When it meets all conditions“ – nur wenn alle zutreffen) oder OR („When it meets any of the conditions“ – wenn mindestens eine zutrifft). So bauen Sie Regeln wie „Betrag über 1.000 und Lieferant nicht auf der Whitelist“.
Der Switch-Node: die Verteilung auf viele Pfade
Sobald es mehr als zwei Wege werden, verweist die n8n-Doku ausdrücklich auf den Switch-Node. Er kennt zwei Modi:
Im Rules-Modus („build a matching rule for each output“) legen Sie pro Ausgang eine Regel an – jede Regel bekommt ihren eigenen Ausgang. Eingehende Post nach Typ verteilen? Regel 1: Betreff enthält „Rechnung“ → Ausgang 1. Regel 2: enthält „Angebot“ → Ausgang 2. Regel 3: enthält „Bewerbung“ → Ausgang 3. Mit Rename Output geben Sie den Ausgängen sprechende Namen statt bloßer Nummern.
Der wichtigste Punkt ist der Fallback Output – was passiert mit Datensätzen, die keine Regel erfüllen? Hier lauert die häufigste Falle:
| Fallback Output | Was mit Nicht-Treffern passiert |
|---|---|
| None | Der Datensatz wird ignoriert. Das ist die Voreinstellung – er verschwindet still. |
| Extra Output | Alle Nicht-Treffer landen auf einem eigenen, zusätzlichen Ausgang. |
| Output 0 | Nicht-Treffer laufen auf denselben Ausgang wie die Treffer der ersten Regel. |
Weil None die Voreinstellung ist, gehen unerwartete Fälle standardmäßig verloren, ohne dass es jemandem auffällt. Meine Faustregel: Stellen Sie den Fallback fast immer auf Extra Output und behandeln Sie dort das „Kenne ich nicht“ – so fällt eine neue, unerwartete Kategorie auf, statt lautlos zu verschwinden.
Zwei weitere Optionen im Switch-Node lohnen einen Blick. Send data to all matching outputs ist standardmäßig aus – ein Datensatz geht dann nur an den ersten passenden Ausgang. Überlappen sich Ihre Regeln absichtlich, schalten Sie die Option ein. Und wer die Zuordnung lieber programmatisch löst, wählt den Expression-Modus: Dort setzen Sie über Number of Outputs, wie viele Ausgänge der Knoten hat, und ein Ausdruck liefert den Index (0, 1, 2 …) des Zielausgangs zurück.
Der Filter-Node: aussortieren statt verzweigen
Der Filter-Node sieht aus wie ein IF, tut aber etwas anderes: Er hat nur einen Ausgang. Datensätze, die die Bedingung erfüllen, laufen weiter; alle anderen werden verworfen – nicht auf einen zweiten Pfad geleitet, sondern schlicht weggeworfen.
Das ist der ganze Unterschied zum IF-Node: Der IF behält beide Gruppen (true und false), der Filter nur die Treffer. Nutzen Sie den Filter also nur, wenn die aussortierten Datensätze Sie wirklich nicht interessieren – etwa um Testeinträge oder leere Zeilen zu entfernen, bevor es ernst wird. Sobald Sie mit den Nicht-Treffern noch irgendetwas tun könnten (protokollieren, nachfragen, in eine Prüfliste schreiben), nehmen Sie stattdessen den IF-Node und arbeiten den false-Ausgang aus. Ein stiller Filter ist bequem, aber er ist auch der Ort, an dem Datensätze spurlos verschwinden.
Bedingungen richtig formulieren – bei allen dreien gleich
IF, Switch und Filter nutzen dieselbe Bedingungs-Komponente. Deshalb sind die verfügbaren Datentypen und Operatoren überall identisch – Sie lernen sie einmal und wenden sie auf alle drei an:
| Datentyp | Typische Operatoren |
|---|---|
| String | is equal to, contains, starts with, matches regex, is empty |
| Number | is equal to, is greater than, is less than (je mit „or equal to“) |
| Date & Time | is after, is before, is equal to (je mit „or equal to“) |
| Boolean | is true, is false, is equal to |
| Array | contains, is empty, length greater than |
Eine Falle taucht bei allen dreien auf: Datentypen müssen zusammenpassen. Der Text "5" und die Zahl 5 gelten standardmäßig als verschieden – eine Bedingung is equal to 5 greift dann nicht, obwohl der Wert richtig aussieht. Switch und Filter bieten dafür ausdrücklich die Option Less Strict Type Validation, die n8n laut Doku dazu bringt, die Typen passend zum Operator umzuwandeln. Für Text hilft Ignore Case, wenn Groß- und Kleinschreibung egal sein soll. Die sauberere Lösung bleibt trotzdem, die Werte früh zu vereinheitlichen – das ist kein Verzweigungsproblem, sondern ein Thema der Datenqualität vor der Automatisierung.
Verzweigen ist nur die halbe Miete: wieder zusammenführen
Sobald Sie einen Strom aufteilen, laufen mehrere Zweige parallel – und oft sollen die Ergebnisse hinterher wieder auf eine Spur. Das ist genau die Gegenrichtung: Was der IF- oder Switch-Node auffächert, sammelt der Merge-Node zwei Datenquellen wieder ein. Verzweigen und Zusammenführen sind die beiden Hälften desselben Musters, und es lohnt sich, beide zu beherrschen, bevor der Workflow unübersichtlich wird.
Ein häufiger Zielpfad einer Verzweigung ist übrigens der Mensch: Was die Regel nicht sicher entscheiden kann, leitet der true- oder ein Switch-Ausgang bewusst in eine Freigabe. Wie Sie solche Ausnahmen sauber an einen Menschen übergeben, statt sie zu verstecken, steht in Freigaben mit dem Menschen im Loop.
Welcher Knoten wann – die Kurzfassung
Am Ende genügt der eine Satz vom Anfang, jetzt als Entscheidungstabelle:
| Was Sie wollen | Der richtige Node |
|---|---|
| Genau zwei Fälle behandeln, beide laufen weiter | IF |
| Auf drei oder mehr Kategorien verteilen | Switch (mit Fallback Output) |
| Datensätze wegwerfen, die Sie nicht brauchen | Filter |
Eine letzte, ehrlichere Vorfrage: Reicht eine feste Bedingung überhaupt? IF und Switch entscheiden nach klaren Regeln – Betrag, Datum, Absender, Kategorie. Wo die Zuordnung dagegen Sprachverständnis oder Ermessen braucht („Ist diese Mail eine Beschwerde?“), ist eine starre Regel das falsche Werkzeug. Wann sich eine feste Regel lohnt und wann ein Sprachmodell, habe ich in Regeln oder KI im Workflow gegenübergestellt.
Wenn bei Ihnen an einer Verzweigung Daten auf den falschen Pfad laufen – Anfragen im falschen Postfach, Vorgänge, die zur Freigabe hätten müssen, oder Datensätze, die einfach verschwinden –, schaue ich mir das im kostenlosen Prozess-Check an und ordne ein, wo die Weiche falsch steht. Wie tragfähige n8n-Workflows insgesamt aufgebaut sind, bespreche ich in der n8n-Beratung – ehrlich und ohne Verkaufsdruck.